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Diplomarbeit, Magisterarbeit zugänglich unter
Von geheimen Schlachten, galoppierenden Gedanken, inneren Zerreißproben, kostbaren Schätzen und grenzenlosen Weiten : Metaphern im Schizophrenie-Diskurs Betroffener und Angehöriger
URN: urn:nbn:de:bsz:291-psydok-11862
URL: http://psydok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2008/1186/
pdf-Format:
Dokument 1.pdf (960 KB)
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SWD-Schlagwörter:
Metapher , Kognitive Linguistik , Schizophrenie , Deutungsmuster , Qualitative Methode , Diskurs
Freie Schlagwörter (Deutsch):
Alltagsvorstellung , Metaphernanalyse , Soziale Repräsentation , Betroffene , Angehörige
Institut:
Universität Wien: Fakultät für Psychologie
DDC-Sachgruppe:
Psychologie
Dokumentart:
Diplomarbeit, Magisterarbeit
Sprache:
Deutsch
Erstellungsjahr:
2004
Publikationsdatum:
10.03.2008
Kurzfassung auf Deutsch:
In der vorliegenden Studie wird Schizophrenie im Anschluss an sozial-konstruktivistische Ansätze als in soziale, kulturelle und historische Kontexte eingebettete Diskursstruktur gefasst. In diesem Sinne stehen Alltagsvorstellungen von Betroffenen und mitbetroffenen Angehörigen zum Thema Schizophrenie im Zentrum des Interesses. Ziel der Arbeit ist es, jene meist wenig bewussten Bilder und Metaphern zu identifizieren, die den Alltagsdiskurs schizophrenie-erfahrener Menschen implizit anleiten. Denn erst wenn die kollektiv geteilten Metaphern expliziert werden, die das Denken über bzw. das Handeln und Behandeln der Schizophrenie organisieren, kann ein Schritt hin zur Entwicklung alternativer Metaphorisierungen, hin auch zu einem unvoreingenommeneren Schizophrenie-Verständnis gelingen.
Im Theorieteil der Arbeit wird zunächst der Metaphernbegriff der kognitiven Linguistik (vgl. Lakoff & Johnson) hinsichtlich seiner Brauchbarkeit für das Forschungsanliegen diskutiert. Dabei wird deutlich, dass sich für die vorliegende Fragestellung die Theorie der sozialen Repräsentationen (vgl. Moscovici) als Hintergrundtheorie für das Forschungsprogramm der kognitiven Linguistik anbietet.
Die systematische Metaphernanalyse (vgl. Schmitt) ermöglicht es, unsere alltäglichen Denk-, Sprech? und Handlungshorizonte in Bezug auf das Phänomen Schizophrenie zu rekonstruieren und so soziale und kulturelle Grundmuster der Herstellung des ?Wahnsinns? sichtbar zu machen.
Als Datenmaterial für die Metaphernanalyse dienten ?natürliche Daten? - in Büchern und Zeitschriften veröffentlichte Erfahrungsberichte von Schizophrenie-Beteiligten; analysiert wurden 37 Textdokumente Betroffener und 25 Erfahrungsberichte von Angehörigen.
Im Ergebnisteil wird zunächst das Metaphernspektrum Betroffener detailliert beschrieben. Es zeigt sich, dass die rekonstruierten Metaphern die zentralen inhaltlichen Dimensionen der Schizophrenie ? das sind Beschreibungen der Schizophrenie selbst, Charakterisierungen der schizophrenen Person, Vorstellungen über hilfreiche Umgangsweisen, Sinnzuschreibungen und Ursachenvorstellungen ? jeweils in einem Bild zu verbinden vermögen. Die dargestellten metaphorisch strukturierten Handlungs- und Lösungserwartungen werden insbesondere dann relevant, wenn es um die Implementierung passender Behandlungsangebote geht. Etwa erfordert ein Kriegszustand Kampfgeist, Mitstreiter, Verbündete, Durchhaltewillen ? wer Schizophrenie als Irrweg bebildert, braucht Anhaltspunkte, Wegweiser, Begleiter etc.
In einem zweiten Analyseschritt wird auf der Grundlage einer Häufigkeitenanalyse der identifizierten Metaphernfelder die Metaphorisierungspraxis Betroffener und Angehöriger verglichen. Zentrale Be-deutung in den Texten beider Subgruppen kommt solchen metaphorischen Konzepten zu, die Betroffene und Angehörige als ausgelieferte Opfer unausweichlicher und beängstigender Vorgänge mit wenig Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten konstituieren.
Die beiden wichtigsten metaphorischen Modelle sind im Betroffenen- wie im Angehörigendiskurs die Weg- und die Behälter-Metapher. Beide lassen Schizophrenie als Zustand der Abweichung von wichtigen gesellschaftlich und kulturell geteilten Werten und Normen erscheinen: Im Lichte der Weg-Metapher sind schizophrene Symptome als Komplementärerscheinungen zum gesellschaftlichen Ideal des ?immer weiter? und ?immer schneller? zu verstehen - die Behälter-Metapher kennzeichnet Schizophrenie als einen Zustand, in dem sich die für unser westliches Subjekt-Verständnis fundamentalste Konstante, die Trennung zwischen Subjekt und Objekt, Innen und Außen, aufzulösen beginnt.
Unterschiede zwischen den Sprechergruppen zeigen sich v.a. in Bezug auf die Verortung der Schizophrenie. Angehörige tendieren dazu, die Schizophrenie in der als Behälter gedachten Person zu platzieren. Bei Betroffenen finden sich demgegenüber zahlreiche Metaphern, die die Schizophrenie externalisieren und sie als von der eigenen Person klar getrennten Gegenstand, als von außen kommende bzw. in Gang gesetzte Dynamik erscheinen lassen.
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